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Als Leiter Exterieur Design im Team von Chefdesigner Jozef Kabaň ist Karl Neuhold seit neun Jahren für die ŠKODA Designsprache verantwortlich. Mit dem neuen Superb gelang dem gebürtigen Steirer nun sein persönliches Meisterstück. Beim Gespräch in der altehrwürdigen Design Villa in Mladá Boleslav spricht Neuhold über Inspiration, Perfektionismus und die Kunst des Weglassens.

Herr Neuhold, der neue ŠKODA Superb ähnelt der Designstudie "ŠKODA VisionC" so sehr wie kaum ein Serienfahrzeug zuvor. Nur wenig erinnert an das Vorgängermodell. Stand am Anfang seiner Entwicklung tatsächlich das viel zitierte weiße Blatt Papier?

Ja, in der Tat. Der Superb ist ein völlig neu entwickeltes Fahrzeug. Der Einsatz des modularen Querbaukastens ermöglicht optimale Proportionen. Schon in seinem Grundauftritt zeigt er äußerst talentierte Anlagen: 40 Millimeter mehr Breite, 80 Millimeter mehr Radstand und deutlich reduzierte Überhänge ergeben ein stimmiges Verhältnis von Breite, Höhe und Länge. Der Body ist sehr weit, von der Seite ist das Fahrzeug ungemein dynamisch, beinahe wie eine Katze im Sprung. Das Design wirkt klar, kristallin und modern, aber auch zeitlos - mit einem ordentlichen Schuss Emotion.

Designer sind es ja gewohnt, innerhalb fixer Vorgaben zu arbeiten. War die Neuentwicklung des Spitzenmodells der Marke also eine vergleichsweise komfortable Aufgabe für Sie?

Absolut. Wir konnten uns ohne Vorbehalte neuen Lösungen zuwenden und im Vergleich zum Vorgänger einige Aspekte verbessern. Am Beispiel Heckklappe sieht man die Weiterentwicklung sehr gut: Das Twin Door Konzept des bisherigen Modells war eine technisch beeindruckende Lösung. Beim neuen Superb setzten wir den Schwerpunkt aber auf den Leichtbau-Aspekt, haben so acht Kilogramm eingespart - und dank der Elektrifizierung dennoch einen Komfortgewinn. Und vom Designaspekt her erlaubt die neue Heckklappe ausgewogenere Proportionen.

Entwurf der Designstudie „ŠKODA VisionC”.

Die mit der Studie VisionC begonnene und nun bei Fabia und Superb in die Serie umgesetzte neue ŠKODA Designsprache ist sehr klar und weniger verspielt. Muss man sich als Designer dabei bewusst zurückhalten?

Der Zeitgeist sagt ganz eindeutig: weniger ist mehr. Schauen Sie doch mal, wie die Menschen heute leben: wohin man blickt, sieht man saubere Flächen, klare Formen, Einfachheit. Und die neue Technologie macht es möglich, um ein Vielfaches exakter als früher mit den Materialien umzugehen. Die heutige Qualität wäre noch vor Kurzem nicht umsetzbar gewesen.

 

Kommt Ihnen dieser Trend persönlich entgegen - sind Sie auch privat ein Purist? 

Lassen Sie es mich so ausdrücken: Ich bin schon eher auf der sparsamen Seite. Ich schätze zwar auch Teilaspekte der Tradition, grundsätzlich bevorzuge ich aber die Schlichtheit. Vorausgesetzt, sie hat eine eigene Aussage, kann eine Geschichte erzählen. In diesem Aspekt stimme ich inhaltlich voll mit der Designphilosophie von Jozef Kabaň überein. Er sagt: Unsere Autos müssen auf der Straße funktionieren wie ein gutes Möbelstück, das nicht nur seinen Zweck erfüllt, sondern einfach auch gut in die Umgebung passt und darüber hinaus einen hohen ästhetischen Anspruch erfüllt. Meiner Meinung nach wirkt dieser Anspruch aus dem Detail heraus: Wenn man keine einzige Linie mehr weglassen kann, dann ist ein Auto perfekt. Autos ähneln hierbei dem menschlichen Gesicht: Je mehr Falten, desto älter sieht es aus.

Es heißt, viele Köche verderben den Brei. Wie schafft man es trotz unzähliger teils widersprüchlicher Faktoren, zu einem stimmigen Fahrzeugdesign zu finden? 

Jedes neue Fahrzeug ist für sich genommen ein neues Abenteuer. Da gibt es unzählige Einflüsse, die uns Designern das Leben schwer machen. Doch ich bin persönlich ein großer Freund einer übergeordneten Designsprache. Irgendwann muss der rote Faden ersichtlich sein - das macht die Sache auch erst spannend! Darum kann ich heute mit vollster Überzeugung sagen: Der Superb ist mit fortlaufender Dauer der Entwicklung immer besser geworden.

 

Wie viel Karl Neuhold steckt im neuen ŠKODA Superb?

Das ist unmöglich seriös zu beantworten. Ein neues Fahrzeug geht während seiner Entwicklung durch tausend Hände - so gesehen ist mein Anteil in etwa ein Tausendstel. Ich hatte meine Freiheiten und habe sie gut genutzt. Ich bin kein Mensch, der um das fertige Auto schleicht und sich denkt: Hier könnte man noch etwas verbessern oder da. Wenn das Design steht und es buchstäblich in Lack gegossen ist, dann ist das für mich abgeschlossen.

DAS DESIGN WIRKT KLAR, KRISTALLIN UND MODERN, ABER AUCH ZEITLOS -MIT EINEM ORDENTLICHEN SCHUSS EMOTION.

Trotz seiner Größe wirkt der neue Superb im Vergleich zum Vorgänger sportlich, fast schon zierlich. Wie schafft man das?

Das Design des Superb ist vor allem ein Resultat des intensiven Spiels mit dem Licht. Wir haben heute ausschließlich kontrollierte Flächen am Fahrzeug. Das Design wirkt bei Weitem nicht nur durch seine Linien, sondern vor allem durch die Flächen dazwischen. Beim Superb wird die Tornadolinie zusätzlich durch die Wingline betont, dadurch bekommt sie einen zusätzlichen Lidstrich. Auch die Hell-Dunkel-Kontraste spielen eine wichtige Rolle.

     

Stichwort Spiel mit dem Licht: Beim Design der Leuchtelemente hat ŠKODA mittlerweile eine Führungsrolle übernommen.

Die Lichteinheiten sind die Perlen, die Schmuckstücke unserer Fahrzeuge. Der Superb ist auch in dieser Hinsicht die Krönung alles Bisherigen. Zum einen wollten wir bewusst neue Technik zeigen - zum anderen haben speziell LED-Leuchten die Tendenz, allzu technoid zu wirken. Deshalb haben wir uns gezielt dafür entschieden, das Augen-Thema der Scheinwerfer fortzuführen. So haben wir das Positionslicht in zweifacher Ausführung interpretiert: Die L-Struktur der Tagfahrleuchte, die sich zur Mitte hin verjüngt, wird durch die "Wimpern" als neues, optisches Merkmal ergänzt. Dadurch setzen sich die vertikalen Linien des Kühlergrills nach außen hin auch in den Leuchteinheiten fort, was der Front eine beeindruckende Breite gibt. Die modernen LED-Leuchten benötigen aus technischen Gründen ein Kühlelement. Dieses haben wir in Anlehnung an die traditionsreiche böhmische Glashandwerkskunst als zusätzliches schmückendes Kristallelement eingesetzt.

 

Man sagt, die Felgen sind das gute Schuhwerk eines Autos. Beim Superb wurde auch ein völlig neues Felgensortiment vorgestellt. Welches Gewicht haben die Felgen für das Design des Superb?  

Die Felgen bilden optisch die Grundlage für alles. Wir fahren heute ja schon auf 19-Zoll-Felgen. Die Designsprache ist klar: Eine ŠKODA Felge sticht aus Hunderten Designs hervor. Auch die offenen Schrauben, stets eingelassen in ein grafisches Trapez, sind ein wichtiges Designelement. Dann gibt es eigenständige Designs wie beispielsweise die RS-Felgen, die eher luftig wirken sowie die Scout-Felgen, die eher massiv und robust daherkommen. Beim Superb bieten wir bei den 19-Zöllern auch Bi-Color und sogar vollpolierte Felgen mit ungemeiner Strahlkraft.

DIE LICHTEINHEITEN SIND DIE PERLEN, DIE SCHMUCKSTÜCKE UNSERER FAHRZEUGE. DER SUPERB IST AUCH IN DIESER HINSICHT DIE KRÖNUNG ALLES BISHERIGEN.   

Unterliegen die Felgen dem Modetrend mehr als andere Komponenten?

Ich würde es nicht modisch nennen, am ehesten noch aus der Perspektive der Ausführung - etwa ob schwarz, glanzgedreht oder vollpoliert - was eben darstellbar ist. Die Felgen müssen einfach zum Auto passen. Ihre Aufgabe ist es, das Auto zu tragen und die Proportionen zu unterstützen. Die Felgen sind designmäßig die Essenz des Autos.

 

Angesichts der hohen Kunst der Gestaltung von Linien und Flächen spielt der Lack eine immer wichtigere Rolle. Inwiefern hat das die Auswahl der Farben beim Superb beeinflusst? 

Bei der Farbe geht es um den Grundcharakter des Autos: Für kleine Autos eignen sich beispielsweise Primärfarben wunderbar. Dann gibt es Sekundärfarben für die Mittelklasse und Tertiärfarben für die Topklasse. Das heißt: Zwischentöne und gedeckte Farben - das sind die Grundlagen. Die Größe des Autos hat einen entscheidenden Einfluss auf die Farbwirkung, aber natürlich auch auf dessen Aussage. Tertiärfarben unterstreichen die Finesse des Fahrzeugs. Die Auswahl ist eine sehr heikle Aufgabe, deren erfolgreiche Lösung sich jedoch in den Verkaufszahlen niederschlägt. So funktioniert unser Race Blau beispielsweise beim Octavia ausgezeichnet, auch beim Fabia. Beim gediegenen Superb würde diese Farbe nicht optimal funktionieren. Bei diesem Thema ist auch immer eine gehörige Portion Fingerspitzengefühl mit im Spiel.

 

Zum Abschluss noch eine Frage zum kommenden Superb Combi - was dürfen wir in Sachen Design von ihm erwarten?

Ob Limousine oder Combi - in beiden Fällen müssen primär die Proportionen stimmen. Der Combi bringt vollkommen andere Herausforderungen mit sich. ŠKODA steht seit jeher für ein überragendes Raumangebot, kombiniert mit einem emotionalen Design. Soviel kann ich schon verraten: Der Superb Combi wird ebenfalls ein echter Treffer.

ŠKODA STEHT SEIT JEHER FÜR EIN ÜBERRAGENDES RAUMANGEBOT, KOMBINIERT MIT EINEM EMOTIONALEN DESIGN.
ŠKODA Chefdesigner Jozef Kabaň

ŠKODA Chefdesigner Jozef Kabaň über die Designsprache der Marke und den neuen Superb:

 

"Wir wollten die anerkannte Funktionalität mit einem ausdrucksstarken Design verknüpfen, das bei den Kunden auch Emotionen weckt."

 

 

"Autodesign beginnt mit geometrischen Formen. Sie müssen für die Festlegung optimaler Proportionen berechenbar sein."

Der neue ŠKODA Superb