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Es gibt Menschen, die sind ihr ganzes Leben lang auf der Suche. Und es gibt Menschen wie Thomas Sykora. Der ehemals beste Slalomfahrer der Welt forscht längst nicht mehr nach dem Sinn des Seins. Stattdessen unterteilt er sein unglaublich vielseitiges und abwechslungsreiches Leben in unzählige, mehr oder weniger große Herausforderungen. Lebensrollen nennt er das. Im Gespräch in seinem Haus in Ybbsitz in Niederösterreich erzählt der ORF-Star und fünffache Familienvater, warum sich Rückschläge im Nachhinein oft als wahrer Segen entpuppen.

Fit hält sich der gebürtige Niederösterreicher mit zahlreichen Aktivitäten an der frischen Luft. Zu seinen Hobbys zählen Radfahren, Golf sowie Bergwandern.

Zweifacher Slalomweltcup-Gesamtsieger, Gewinner von insgesamt neun Weltcuprennen. Olympia-dritter von Nagano 1998. Langjähriger ORF Co-Kommentator. Selbstständiger Mentalcoach, Spitzenmanager, fünffacher Familienvater. ŠKODA Testimonial. Wer den Lebenslauf von Thomas Sykora liest, bekommt unweigerlich das Gefühl, dieser reiche gut und gern auch für zwei Leben. Fest steht: Nur wenige ehemalige Spitzensportler - geschweige denn "Normalos" ohne Kristallkugeln und Olympiamedaillen in der Vitrine - können mit gerade einmal 46 Jahren auf ein derart abwechslungsreiches und vielseitiges Leben zurückblicken wie der sympathische Niederösterreicher.

 

Als Spätstarter an die Weltspitze

Dabei war der Weg von Thomas Sykora alles andere als vorgezeichnet oder gar einfach: Als Spross einer Familie von Leistungssportlern - Vater Ernst Sykora war Leiter des Hochkar-Schulskiheims, seine Tanten Liese Prokop und Maria Sykora erfolgreiche Leichtathletinnen - war Thomas dennoch ein Spätstarter im Ski-Weltcup. "Erst als sich Matthias Berthold 1991 entschieden hat, zu den Ski-Profis nach Amerika zu wechseln, wurde ein Startplatz frei und ich bin nachträglich in den ÖSV-Kader aufgestiegen", erinnert er sich an seine Karriereanfänge, die - ähnlich wie bei Superstar Hermann Maier - mehr oder weniger auf dem Zufall aufbauten. In dieses Bild passt auch, dass das Ende seiner kurzen, aber extrem erfolgreichen Sportlerkarriere fremdbestimmt war. Am 6. Jänner 1999 riss er sich beim Slalom von Kranjska Gora die Patellasehnen im linken Knie.

Auch die geistige Fitness ist Thomas Sykora besonders wichtig – als Ausgleich dient ihm vor allem die Natur.

"Eigentlich komisch: An das Datum meines ersten Sieges oder meiner Olympiamedaille kann ich mich nicht erinnern, aber den Tag der Verletzung habe ich mir bis heute gemerkt", so Sykora nachdenklich. Was folgte, war ein langwieriger und schmerzvoller Comeback-Versuch mit zahlreichen Rückschlägen, der schwierigen Umstellung auf eine neue Slalomtechnik und die 20 Zentimeter kürzeren Carving-Skier. Schließlich, mehr als drei Jahre, eine neuerliche Knieverletzung, Tausende Therapiestunden und 12 Operationen später, folgte dann der endgültige Rücktritt vom Leistungssport. "Damals empfand ich das schon als tragisch: Als damalige Nummer eins der Slalomwelt hätte ich sicher noch viel erreichen können, hätte locker noch vier, fünf Jahre an der Weltspitze mitfahren können. Andererseits hat die Tatsache, dass mir meine Verletzung die Entscheidung für das Karriereende vorweggenommen hat, wesentlich dazu beigetragen, dass ich heute das machen kann, was ich so sehr liebe."

 

DER WEG VON THOMAS SYKORA WAR ALLES ANDERE ALS VORGEZEICHNET ODER GAR EINFACH.
Die ersten Seminare für die Ausbildung zum Mental-Coach besuchte Thomas Sykora bereits während seiner Verletzungspause. Sie halfen ihm, sich in der Rolle als Leistungssport-Pensionist zurechtzufinden.

Zweite Karriere als ORF Co-Kommentator

Anders als manch anderer ehemaliger Dominator einer Sportart fiel Thomas Sykora nach dem unfreiwilligen und vorzeitigen Aus nicht in ein mentales Loch. "Ich hatte damals meinen gedanklichen Fokus schon weit in der Zukunft und konnte deswegen mit der Krise besser umgehen." Der Hintergrund: Schon während seiner Verletzungspause legte ein Besuch bei Moderator Wolfram Pirchner in der Sendung "Sport am Sonntag" den Grundstein für seine spätere Karriere als ORF-Co-Kommentator. "Thema war damals der Slalom in Wengen und ich saß mit dem Fuß in Gips im Studio und hab aus dem Stegreif meine Kommentare zur damaligen Situation meiner Kollegen Mario Reiter und Mario Matt abgegeben. Nach der Sendung hat mich der damalige ORF-Sportchef Elmar Oberhauser angerufen und gebeten, ich möge doch während meiner Verletzungspause im Fernsehen Rennen mitkommentieren. So kam das erste Engagement im Fernsehen zustande. Als ich dann 2002 endgültig aufhörte, hatte mir Herr Oberhauser den Platz frei gehalten - und die Olympischen Spiele 2002 in Salt Lake City waren dann mein Einstieg ins Business."

Heute, 13 Jahre später, hat der topfitte Mitvierziger die vielfache Anzahl von Rennen kommentiert, als er selbst gefahren ist. Dennoch - oder gerade deswegen - lässt er es sich nicht nehmen, bei praktisch allen seinen TV-Einsätzen vorweg mit der Helmkamera den Kurs zu befahren. "Das Skifahren ist mir immer noch extrem wichtig, es ist ein großer Teil meines Lebens. Es hat einen derart großen Anteil an meinem Erfolg, da wäre es doch blöd, wenn ich es nicht mehr täte."

 

Dritte Karriere als Mental-Coach

Weniger bekannt als seine Rolle als der Slalom-Experte des Landes ist Thomas Sykoras weitere Lebensrolle als ausgebildeter Mental-Coach. "Meine ersten Seminare habe ich ebenfalls schon während meiner Verletzungspause gehalten. Das Thema: Wie man mit Veränderungen umgehen lernt. Meine persönliche Geschichte, der Umstieg von den altmodischen Zwei-Meter-Latten auf die ultrakurzen Carving-Skier, eignete sich perfekt als Metapher für die Business-Welt. Die Essenz daraus: Veränderungsprozesse lassen sich nicht aufhalten. Es bringt auch nichts, krampfhaft an früheren Erfolgen festzuhalten. Wer sich nicht permanent entwickelt, ist chancenlos. Wer stehenbleibt, verliert. Ich konnte ja nicht ewig die Anekdoten von Alberto Tomba und Thomas Stangassinger erzählen." Parallel zu seiner ORF-Tätigkeit absolvierte der vielbeschäftigte Workaholic deshalb das Kolleg zum akademischen Mentalcoach in Bregenz. Die Ausbildung brachte ihn nicht nur auf der Karriereleiter nach oben, sondern half ihm auch dabei, sich in der gefürchteten Rolle des Leistungssport-Pensionisten zurechtzufinden. "Ich hatte oft die Aufgabe, erfolgreiche Manager zu coachen, die unmittelbar vor der Pensionierung waren, aber körperlich und mental noch absolut fit waren und mitten im Leben standen. Die Parallele zum Karriereende von Leistungssportlern lag auf der Hand. Ich selbst kannte die Situation bestens: Ich bin zwar nicht in das berüchtigte Loch gefallen, hatte aber genauso ein Aha-Erlebnis. Während meiner Neuorientierungsphase habe ich weiterhin auf hohem Niveau Sport betrieben und hatte einen Ruhepuls von 32 - das hatte ich nicht einmal zu den besten Zeiten meiner Skilaufbahn. Irgendwann habe ich mich dann gefragt: Wozu mache ich das eigentlich?"

 

Suche nach den eigenen Lebensrollen als Erfolgsmodell

Heute, mit Mitte 40, ist sich Thomas Sykora sicher, seine wichtigste Lehre gefunden zu haben. "Unser modernes Leben besteht aus unzähligen, vollkommen unterschiedlichen und oftmals widersprüchlichen Lebensrollen - der des Partners, des Vaters, des Chefs usw. Das Kunststück besteht darin, sich dieser Rollen bewusst zu werden und für jede Rolle einen Plan und Werte zu entwickeln, nach denen man leben kann.

Als Mental-Coach wurde er am häufigsten mit der Herausforderung konfrontiert, dass die Menschen das Gefühl haben, zu wenig Zeit für sich selbst zu haben. "Sie vergessen vollkommen die Ich-Rolle - und wissen meistens gar nicht, was sie mit den wenigen Stunden, die sie für sich selbst haben, eigentlich anfangen wollen. Wie sollen sie es dann wissen, wenn sie mehr Stunden für sich hätten?"

Auch ganz persönlich hat sich Thomas Sykora seines Erfolgsmodells bedient - und findet sich heute in den gleichermaßen intensiven wie zeitaufwändigen Rollen als fünffacher Familienvater und Oberhaupt einer Patchwork-Familie, populärer TV-Kommentator und vielbeschäftigter Topmanager bestens zurecht. Die beiden Älteren, die Zwillinge Jakob und Klara sind heute 14, wollen wie der Papa Skirennläufer werden und haben kürzlich die Aufnahmeprüfung für die Höhere Lehranstalt für Tourismus und Ski in Bad Hofgastein bestanden - jener Schule, die schon die Gesamtweltcup-Sieger Marcel Hirscher und Anna Fenninger hervorbrachte. Die drei Jüngeren, Romy 7, Gabriel 6 und Alexander 4, halten einstweilen noch ganz andere Herausforderungen bereit. "Meiner Erfahrung nach ist es mit fünf Kindern fast einfacher als mit drei, obwohl es natürlich manchmal nicht einfach ist, die spezielle Situation als Patchwork-Familie mit quasi 'Teilzeit-Geschwistern' zur allgemeinen Zufriedenheit aller zu meistern. Ohne meine zweite Frau Verena, die neben ihrem Job als erfolgreiche Physiotherapeutin auch noch ihre Mama-Rolle schaukelt und stets alles im Griff hat, wäre das alles unmöglich."

 

Gemeinsam mit ihr und den drei Kindern lebt Thomas Sykora heute in unmittelbarer Nähe eines Bauernhofs in der Gemeinde Ybbsitz in Niederösterreich. Das moderne, helle und gemütliche Haus ist Dreh- und Angelpunkt seines neuen Lebens, das für ihn unlängst die Rolle eines Topmanagers bei der Versicherungsagentur VERO bereithielt. "Das war genauso wenig geplant wie vieles andere in meinem bisherigen Leben. Aber die Arbeit mit den Menschen, die mich jedes Monat mindestens einmal in unsere neun Niederlassungen in alle neun Bundesländer bringt, erfüllt mich komplett." Man merkt: Thomas Sykora ist angekommen im Hier und Jetzt, ist offen für Neues und mehr denn je neugierig auf das, wie viele Lebensrollen die Zukunft noch für ihn bereithält. Und irgendwie hat man das Gefühl: Bei Menschen wie ihm ist die Neuorientierungsphase niemals ganz abgeschlossen.

 

 

THOMAS SYKORA IST ANGEKOMMEN IM HIER UND JETZT.
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